WM 2026
Vier Borussen, ein Sommer, ein zu frühes Ende
Schlotterbeck, Anton, Nmecha, Beier – und warum ich trotzdem stolz war
Vier Spieler aus unserem Kader waren bei der Weltmeisterschaft dabei. Einer hat sich im zweiten Gruppenspiel verletzt, und am 29. Juni war für Deutschland gegen Paraguay Schluss. Eine Nachlese aus Dortmunder Sicht.
Ich habe in diesem Sommer ungefähr so viele Spiele gesehen wie in einer normalen Saison und mich dabei die ganze Zeit ein bisschen wie ein Betrüger gefühlt. Ich gucke Nationalmannschaft nämlich nur aus einem Grund: Ich will sehen, wie es unseren Jungs geht.
Vier waren es diesmal. Nico Schlotterbeck, Waldemar Anton, Felix Nmecha, Maximilian Beier.
/Schlotterbeck
Er ist als gesetzter Innenverteidiger in dieses Turnier gegangen, neben Rüdiger und Tah, und er hat im ersten Spiel genau das gemacht, was er bei uns seit Jahren macht: den Ball nach vorne tragen, statt ihn quer zu schieben.
Im zweiten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste hat er sich verletzt. Turnier vorbei.
Ich habe das im Fernsehen gesehen und mir ist zuerst gar nicht die Nationalmannschaft durch den Kopf gegangen, sondern der Gedanke: Bitte nicht die Saison. Bitte nicht nach dieser Vertragsverlängerung im April.
Das ist vermutlich nicht besonders patriotisch. Es ist aber ehrlich.
/Anton
Für Waldemar Anton war schon die Nominierung die Geschichte. Er ist nach einer soliden Saison bei uns als klarer Ergänzungsspieler mitgefahren, und wer seinen Weg kennt – geboren in Usbekistan, aufgewachsen in Hannover, jahrelang der zuverlässige Zweite –, der weiß, dass so eine Einladung kein Zufallsprodukt ist.
Es gibt in jeder Mannschaft zwei, drei Leute, über die nie jemand schreibt und ohne die nichts läuft. Anton ist bei uns genau das.
/Nmecha
Felix Nmecha ist in dieser Saison zu einem der wichtigsten Spieler unseres Mittelfelds geworden, und man hat im Turnier gesehen, warum. Dieser Mann läuft mit dem Ball durch Räume, in denen andere abspielen müssen.
Er hat bei uns lange gebraucht. Ich habe, zugegeben, in seinem ersten Jahr nicht damit gerechnet, dass daraus mal ein Nationalspieler wird. Umso schöner, wenn man sich irrt.
/Beier
Und Maximilian Beier. Über zwanzig direkte Torbeteiligungen in der Saison 2025/26, damit hat er statistisch jeden anderen deutschen Offensivspieler hinter sich gelassen, und er hat sich seinen Platz im Kader nicht schenken lassen, sondern erkämpft.
Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass Beier mal bei einer WM für Deutschland spielt und dabei unser Vertreter in der Offensive ist – ich hätte gelacht.
Vier Spieler bei einer Weltmeisterschaft. Vor drei Jahren wäre das eine Meldung gewesen, über die man in Dortmund nicht mal gesprochen hätte.
/Das Ende
Am 29. Juni war Schluss, Niederlage gegen Paraguay. Über die Gründe wird jetzt wochenlang geredet, und ich habe wenig Lust, mich daran zu beteiligen.
Was ich mitnehme, ist etwas anderes.
Dieser Verein hat in den letzten beiden Jahren einen ziemlich fundamentalen Umbau hinter sich gebracht – neuer Trainer, neuer Sportdirektor, neue Idee. Und mitten in diesem Umbau stellt er vier Spieler für ein Weltturnier.
Das ist ein Nebensatz in jeder Turnieranalyse und für mich die eigentliche Nachricht.
Gute Erholung, Jungs. Und gute Besserung, Nico. Wir brauchen dich im August.