Transfer
Karim geht nach Barcelona
Vier Jahre, 146 Spiele, 36 Tore und ein paar Abende, die bleiben
22 Millionen fest, Boni obendrauf, Vertrag bis 2031, dazu eine Beteiligung an einem künftigen Weiterverkauf. Nüchtern betrachtet ein guter Deal. Ich kriege trotzdem gerade schlecht Luft.
Karim Adeyemi ist weg. FC Barcelona, Vertrag bis 2031. Der BVB bekommt rund 22 Millionen fest, dazu Boni in Millionenhöhe und eine Beteiligung, falls Barcelona ihn irgendwann mit Gewinn weiterverkauft.
Kaufmännisch ist das in Ordnung. Für einen Vierundzwanzigjährigen, dessen letzte Saison hier nicht rund lief, ist das sogar ziemlich gut verhandelt.
Trotzdem sitze ich hier und bin schlecht gelaunt, und das hat nichts mit Zahlen zu tun.
/Vier Jahre
Er kam 2022 aus Salzburg. Ein Junge aus München, den Bayern nicht wollte, der über Österreich groß geworden ist und den wir geholt haben, als halb Europa hinter ihm her war.
Am Ende stehen 146 Pflichtspiele und 36 Tore.
Das sind, wenn man ehrlich ist, keine Zahlen, die einen Denkmalsockel rechtfertigen. Es waren vier Jahre mit sehr steilen Ausschlägen nach oben und nach unten: Phasen, in denen er der beste Offensivspieler der Liga war, und Phasen, in denen er Wochen brauchte, um in ein Spiel zu finden.
Die letzte Saison hier war schwierig. Die Vertragsgespräche haben sich hingezogen, es gab Themen neben dem Platz, und der Neuanfang im Frühjahr hat nicht mehr funktioniert. Das gehört zur Wahrheit dazu, und ich will es nicht wegschreiben.
/Und trotzdem
Es gibt ungefähr fünf Spieler, bei denen ich in den letzten zehn Jahren im Stadion aufgesprungen bin, bevor überhaupt etwas passiert war. Einfach weil sie den Ball bekommen haben und man wusste: Jetzt geht gleich was.
Adeyemi war einer davon.
Dieser Antritt. Dieses Ding, wo er den Ball in den Lauf bekommt, zwei Schritte macht und der Außenverteidiger sofort weiß, dass er das Duell schon verloren hat. So etwas kann man nicht trainieren, das hat man oder man hat es nicht.
Ein paar Standbilder, die ich behalte:
- Der Dreierpack gegen Celtic im Oktober 2024 – bis dahin erst der dritte BVB-Spieler überhaupt mit einem Hattrick in der Champions League.
- Die beiden Vorlagen bei der Klub-WM gegen Monterrey, als er in diesem amerikanischen Sommer aussah wie jemand, der nie müde wird.
- Und das 1:3 in Bergamo im Februar, als schon alles verloren war und er trotzdem noch einmal losgelaufen ist.
Man erinnert sich bei Spielern nicht an die Bilanz. Man erinnert sich an die vier, fünf Momente, in denen sie unmöglich zu verteidigen waren.
/Warum ich es verstehe
Barcelona ist Barcelona. Wenn dieser Klub anruft und du bist vierundzwanzig und hast in Dortmund gerade ein Jahr hinter dir, in dem nicht alles zusammenpasste, dann fährst du.
Ich habe außerdem den Eindruck, dass beide Seiten das gespürt haben. Es gab keinen großen Krach, keine Schlammschlacht in der Presse. Der Verein hat ihn ziehen lassen, als klar war, dass es für alle besser ist.
Und der neue Sportdirektor hat mit dem Geld sofort weitergearbeitet, statt es liegenzulassen. Das ist die Sorte Professionalität, die ich hier jahrelang vermisst habe.
/Was ich mir wünsche
Dass er in Barcelona nochmal richtig aufdreht.
Ich meine das nicht als Floskel. Ich habe bei diesem Spieler immer das Gefühl gehabt, dass in ihm mehr steckt, als er selbst gerade abrufen kann, und dass er das auch weiß. So jemandem wünscht man eine Umgebung, in der es klickt.
Und wenn er in ein paar Jahren mal wieder hier auflaufen sollte, in einem anderen Trikot, dann hoffe ich sehr, dass die Süd das richtig macht. Er hat uns Abende geschenkt, die wir ohne ihn nicht gehabt hätten.
Mach's gut, Karim. Und mach da drüben mal einen von diesen Läufen.