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Kaderplanung

Ole Book – Zurück zu dem, was der BVB immer schon am besten konnte

Junge Spieler, klarer Plan, keine Panikkäufe

02. September 2026Saison 2026/273 MinutenDer Autor

Sechs Zugänge, Altersschnitt um die zwanzig, über 100 Millionen investiert – und trotzdem war das der unaufgeregteste Transfersommer seit Jahren. Über einen Sportdirektor, der seit März arbeitet, als wäre er hier geboren.

Das Transferfenster ist zu, und ich habe gestern zum ersten Mal seit Jahren nicht das Gefühl gehabt, dass wir irgendwas hinterhergelaufen sind.

Das ist eine ungewohnte Empfindung. Ich habe Sommer erlebt, in denen bis zum 31. August nichts passiert ist und dann in 48 Stunden zwei Leihspieler kamen, von denen einer aussah, als hätte ihn jemand aus einem Katalog bestellt. Diesmal: fertig geplant, durchgezogen, Ruhe.

Verantwortlich dafür ist ein Mann, den vor einem Jahr außerhalb der Zweiten Liga kaum jemand kannte.

/Wer Ole Book ist

Nils-Ole Book, 40, kommt aus Elversberg. Nicht aus dem Nachwuchsleistungszentrum eines Großklubs, nicht aus einer Agentur, nicht aus dem Fernsehen. Aus Elversberg.

Da hat er seit 2018 gearbeitet und ab 2023 als Sportdirektor verantwortet, wie ein Verein aus der Regionalliga in die 2. Bundesliga durchmarschiert – mit Kadern, für die andere Vereine das Catering bezahlen. Als selbst gespielt hat er in Ahlen, Duisburg und Wiesbaden. Also ungefähr das Gegenteil von Glamour.

Ende März hat der BVB sich von Sebastian Kehl getrennt, einen Tag später stand Book da. Lars Ricken hat ihn als seinen Wunschkandidaten bezeichnet und gesagt, er verfolge dessen Arbeit seit langem. Vertrag bis 2029.

Von Book selbst gibt es einen Satz, der seitdem bei mir hängengeblieben ist:

Fleiß ist die Basis von Scouting, Scouting ist die Basis von Kaderplanung, Kaderplanung ist die Basis des BVB-Erfolgs.

Das ist kein Zitat für ein Trikotplakat. Das ist eine Arbeitsanweisung.

/Was er in einem Sommer gemacht hat

Schauen wir uns an, was tatsächlich passiert ist:

  • Konstantinos Karetsas, 18, von KRC Genk, rund 30 Millionen. Der teuerste Transfer des Sommers – und ein Achtzehnjähriger.
  • Giannis Konstantelias, 23, von PAOK Saloniki, rund 26 Millionen. Zusammen mit Karetsas die griechische Verbindung, die diesen Kader offensiv anders aussehen lässt.
  • Joey Veerman, 27, von der PSV, rund 22 Millionen. Der erfahrene Ordner im Mittelfeld, der genau die Rolle füllt, die seit Cans Verletzung offen war.
  • Joane Gadou, 19, aus Salzburg, rund 19,5 Millionen. Innenverteidiger, für den Aufbau gedacht.
  • Kauã Prates, 18, von Cruzeiro, und Justin Lerma, 18, aus Ecuador. Zwei Wetten auf 2029.
  • Dazu Ethan Nwaneri auf Leihbasis von Arsenal.

Unterm Strich: gut 108 Millionen ausgegeben, etwa 70 Millionen Minus nach Verkäufen, und ein Altersschnitt bei den Zugängen, der bei ungefähr zwanzig liegt.

Rausgegangen sind unter anderem Karim Adeyemi nach Barcelona, Julian Brandt ablösefrei nach Amsterdam, Salih Özcan nach Istanbul und Julien Duranville nach Lyon.

/Warum mich das so freut

Weil das der Job ist, für den dieser Verein einmal berühmt war.

Dortmund ist nie der Klub gewesen, der den fertigen Superstar kauft. Dortmund war der Klub, der den Neunzehnjährigen holt, ihm die Bühne gibt, ihn zwei Jahre spielen lässt und danach entweder eine Mannschaft oder einen Rekordtransfer hat. Manchmal beides.

Das ist in den letzten Jahren verwässert. Wir haben in Phasen Spieler geholt, die auf dem Papier "sofort helfen" sollten, und dann saßen sie auf der Bank und halfen sofort niemandem. Jeder Verein macht solche Fehler. Aber es passte irgendwann nicht mehr zu dem, was wir eigentlich sind.

Book geht zurück auf Anfang. Und zwar konsequent: Der teuerste Spieler im Kader ist ein Achtzehnjähriger, nicht ein Achtundzwanzigjähriger mit Vergangenheit.

Dazu kommt etwas, das mir fast noch besser gefällt. Die Deals sind so strukturiert, dass die Zahlungen über mehrere Jahre laufen. Das ist keine Kaufrauschmentalität, das ist Buchhaltung mit Plan. Wir haben in den Vorjahren gut verkauft, und dieses Geld wird jetzt investiert, statt in einer Rücklage zu verstauben.

/Und die Baustelle?

Es gibt eine, klar. Wenn man sechs Leute holt, die im Schnitt zwanzig sind, dann hat man im Zweifel nicht die Mannschaft, die im Februar in einem K.-o.-Spiel in Mailand die Nerven behält. Das wird uns irgendwann wehtun.

Aber ich nehme diesen Schmerz. Ich nehme ihn sofort.

Denn die Alternative kenne ich: teure Dreißigjährige, die Verträge haben, die man nicht loswird, und eine Mannschaft, die man alle zwei Jahre neu erfinden muss.

Was gerade passiert, ist der Versuch, einen Kader zu bauen, der in drei Jahren fertig ist – und der dann uns gehört. Genau so hat das hier schon einmal funktioniert.

Willkommen, Herr Book. Sie machen das gut.

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