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Mitgliederversammlung

Zwanzig Jahre Watzke

Aus der Geschäftsführung raus, ins Präsidentenamt rein

24. November 2025Saison 2025/263 MinutenDer Autor

Gestern haben die Mitglieder Hans-Joachim Watzke zum Präsidenten gewählt. Zum Jahresende verlässt er die Geschäftsführung nach zwanzig Jahren. Über einen Mann, der diesen Verein übernommen hat, als er fast nicht mehr existierte.

Ich war gestern nicht in den Westfalenhallen, sondern habe es zu Hause verfolgt, und trotzdem hat mich etwas an diesen Bildern angefasst.

Hans-Joachim Watzke ist zum Präsidenten von Borussia Dortmund gewählt worden. Reinhold Lunow, der das Amt vorher hatte, ist unter Ovationen verabschiedet worden. Zum Ende dieses Jahres verlässt Watzke die Geschäftsführung, nach zwanzig Jahren.

Zwanzig Jahre. Ich war neunzehn, als er anfing.

/Wie das 2005 aussah

Die jüngeren Leser müssen das im Kopf haben, sonst versteht man den Rest nicht.

Borussia Dortmund war Anfang 2005 wirtschaftlich am Ende. Nicht "hat gerade ein schwieriges Jahr", sondern am Ende. Der Verein hatte sich nach dem Champions-League-Sieg 1997 und dem Meistertitel 2002 in eine Lage manövriert, in der die Existenz an einer einzigen Gläubigerversammlung hing. Das Stadion war verkauft und zurückgemietet. Die Aktie war ein Witz.

Es gab in dieser Zeit reale Szenarien, in denen dieser Verein aufhört zu existieren.

In diese Situation ist ein Sauerländer Unternehmer reingegangen, der vorher Feuerwehrjacken und Arbeitsschutzkleidung verkauft hat und den außerhalb der Region kein Mensch kannte.

/Was daraus geworden ist

Der Rest ist bekannt, deshalb nur in Stichpunkten:

  • Sanierung des Klubs über Jahre, mit einem Kaderbudget, bei dem andere gelacht hätten.
  • 2008 die Verpflichtung von Jürgen Klopp, gemeinsam mit Michael Zorc.
  • 2011 Meister, 2012 das Double.
  • Champions-League-Finale 2013 in Wembley, Champions-League-Finale 2024 in Wembley.
  • DFB-Pokal 2017 und 2021.
  • Und ein Verein, der heute wirtschaftlich so stabil ist, dass er einen Transfersommer mit über hundert Millionen stemmen kann, ohne dass jemand nervös wird.

Dazu kommt etwas, das in keiner Bilanz steht: Dieser Klub hat in den zwanzig Jahren nie versucht, etwas anderes zu sein als er ist. Kein Investor, der alles kauft. Keine künstliche Internationalisierung. Mitgliederverein, Südtribüne, Stehplätze, bezahlbare Karten.

Das war eine Entscheidung. Man hätte es auch anders machen können, und viele haben es anders gemacht.

Man muss Watzke nicht in allem zustimmen, um zu sehen, dass dieser Verein ohne ihn womöglich nicht mehr existieren würde.

/Wo ich anderer Meinung war

Ich bin Fan und kein Chronist, aber nicht blind, deshalb dazu auch ein Satz.

Watzke war über zwanzig Jahre eine sehr dominante Figur, und es gab Phasen, in denen ich mir gewünscht hätte, dass Entscheidungen weniger an einer einzigen Person hängen. Ein Verein, bei dem alles über einen Schreibtisch läuft, hat ein Problem, sobald dieser Schreibtisch leer ist.

Interessanterweise hat der Verein genau daraus die Konsequenz gezogen. Es gibt keinen einzelnen Nachfolger. Die Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt, mit gleichberechtigten Geschäftsführern. Sportlich hat Lars Ricken seit Mai 2024 übernommen.

Das ist, finde ich, die klügste Entscheidung dieser ganzen Übergabe. Und sie stammt offensichtlich von dem Mann, der damit seine eigene Position abschafft.

/Präsident

Dass er jetzt Präsident wird, ist keine Alibilösung, aber auch kein operativer Job mehr. Das Präsidentenamt bei diesem Verein ist Repräsentation, Mitgliederbindung, Haltung nach außen.

Dafür ist er der Richtige, und zwar aus einem sehr simplen Grund: Es glaubt ihm jeder.

Wenn Watzke in ein Mikrofon sagt, dass Borussia Dortmund ein Mitgliederverein bleibt, dann glaubt man ihm das, weil er zwanzig Jahre lang die Gelegenheit hatte, es anders zu machen, und es nicht getan hat.

Danke, Aki. Für zwanzig Jahre, und vor allem für das Jahr 2005.

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