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Warum der Kovac-Fußball der richtige für den BVB ist

Über Dreierkette, Laufleistung und ein Missverständnis

14. Dezember 2025Saison 2025/263 MinutenDer Autor

Zu bieder, zu wenig Ballbesitz, zu viele lange Bälle – die Kritik kennt jeder. Nur wird dabei übersehen, in welchem Zustand diese Mannschaft war, als Niko Kovac sie übernommen hat. Und was er seitdem gebaut hat.

Es gibt beim BVB seit ungefähr fünfzehn Jahren eine Erwartungshaltung, die man so zusammenfassen kann: Es muss knallen. Vollgas, hoch pressen, vier Stürmer, am besten 4:3 statt 1:0.

Ich verstehe das. Ich bin damit aufgewachsen, und die schönsten Abende meines Fußballlebens sahen genau so aus.

Nur: Diese Erwartung hat uns in den letzten Jahren auch verdammt viel gekostet. Und Niko Kovac ist der erste Trainer seit langem, der sie nicht bedient – und genau deshalb funktioniert.

/Wo wir herkamen

Erinnern wir uns kurz, wie das im Februar 2025 aussah. Elfter Platz. Drei Pflichtspielniederlagen am Stück zum Jahresbeginn. Eine Mannschaft, die bei jedem Gegentor sichtbar zusammengeklappt ist. Eine Trennung von einem Trainer, den hier alle mögen, weil es sportlich schlicht nicht mehr ging.

Kovac hat diesen Kader mitten in der Saison übernommen, ohne Vorbereitung, ohne eigene Spieler, ohne Zeit. Und er hat als Erstes nicht an der Offensive gearbeitet, sondern an der Frage, wie man aufhört, Gegentore zu bekommen.

Am Ende stand Platz vier. Und ein 3:0 am letzten Spieltag gegen Kiel, bei dem 81.000 Leute wieder wussten, wofür sie da sind.

/Was er tatsächlich spielen lässt

Kovac gilt als 4-2-3-1-Trainer, aber beim BVB macht er etwas anderes. Er spielt eine Dreierkette, meistens als 3-4-2-1 organisiert: drei Innenverteidiger, zwei Schienenspieler, zwei Sechser, zwei Halbräume, eine Spitze.

Das klingt defensiv und ist es auch. Aber es ist eben nicht nur das:

  • Die Dreierkette erlaubt Schlotterbeck das, was er am besten kann – aus einer abgesicherten Position den Diagonalball spielen, ohne dass bei Ballverlust sofort die Bude brennt.
  • Die Schienenspieler sind die eigentlichen Offensivwaffen. Wer sich anschaut, wie oft unsere Tore über die Außen entstehen, versteht, warum Kovac genau dort auf Läufer besteht.
  • Die zwei Sechser nehmen dem Spielaufbau das Risiko und geben den beiden Zehnern die Freiheit, im Zwischenraum zu bleiben statt hinterherzurennen.

Kovacs Lieblingssatz ist, dass Fußball eine Laufleistungssportart sei. Das ist an der Oberfläche eine Plattitüde. In der Praxis ist es die Bedingung, unter der dieses System überhaupt läuft: Wenn die vier vorderen Leute nicht arbeiten, steht die Kette im Niemandsland.

Der Gegentorschnitt ist von rund 1,6 auf etwa 1,2 pro Spiel gefallen. Das ist kein Detail. Das ist der Unterschied zwischen Platz elf und oben.

/Das Missverständnis

Die Kritik lautet: zu wenig Ballbesitz, der Ball läuft in der Dreierkette quer, dann kommt ein langer Ball auf Guirassy.

Stimmt teilweise. Nur ist das keine Ideenlosigkeit, sondern eine Entscheidung. Kovac denkt Ballbesitz nicht in erster Linie als Weg, mehr Tore zu schießen, sondern als Weg, weniger zuzulassen. Und bei einem Kader, der im letzten Drittel über sehr viel individuelle Qualität verfügt, aber defensiv jahrelang fahrig war, ist das die richtige Reihenfolge.

Man muss sich das mal klarmachen: Wir hatten jahrelang die Offensive und keine Statik. Jetzt haben wir die Statik – und die Offensive ist nicht verschwunden, sie kommt nur später im Spiel.

Gestern haben wir gegen Leverkusen im Pokal verloren, 0:1, ein Tor von Maza in der 34., und es war ein schwacher Abend, ideenlos, zäh. Ich schreibe das nicht weg. Solche Abende gehören dazu, und in einer K.-o.-Runde bestraft dich das sofort.

Aber ich werde einen Trainer nicht nach einem Pokalabend bewerten, der eine Mannschaft aus dem Keller geholt, ihr eine Ordnung gegeben und sie in eineinhalb Jahren zu einer Mannschaft gemacht hat, gegen die in Europa niemand gerne antritt.

/Warum das zu uns passt

Es gibt eine Erzählung, dass dieser Verein nur den wilden Fußball darf. Ich halte die für Folklore.

Die Mannschaft von 1995 war nicht wild. Die war brutal gut organisiert, hatte hinten Männer stehen, die kein Kraut wachsen ließen, und vorne Leute, die ein Spiel in zwei Aktionen entschieden haben. Genau das ist die DNA, an die Kovac anknüpft.

Im August hat er bis 2027 verlängert. Ich war sehr dafür. Nicht weil jeder Spieltag Spaß macht, sondern weil zum ersten Mal seit Jahren jemand da ist, der eine Idee hat und sie über mehr als ein halbes Jahr durchzieht.

Lasst ihn arbeiten. Der Rest kommt.

SchlagworteNiko KovacTaktikDreierkettePressing