Champions League
Die Nacht von Bergamo
Mit dem letzten Schuss des Spiels
2:0 aus dem Hinspiel, 1:4 im Rückspiel, ein Elfmeter in der Nachspielzeit, drei Platzverweise. Der BVB ist raus, und ich habe eine Nacht gebraucht, um das ohne Fluchen aufzuschreiben.
Es gibt Niederlagen, über die schreibt man am nächsten Morgen. Und es gibt Niederlagen, bei denen man froh ist, dass man nicht direkt nach Abpfiff zum Handy gegriffen hat.
Gestern Abend in Bergamo war die zweite Sorte.
/Was passiert ist
Wir kommen mit 2:0 aus dem Hinspiel. Das ist kein Ruhekissen, aber es ist ein Vorsprung, mit dem man in einer K.-o.-Runde arbeiten kann.
Dann fällt in der fünften Minute das 0:1 durch Scamacca. In der 45. macht Zappacosta das 0:2, und plötzlich steht es über zwei Spiele wieder 2:2. Nach der Pause legt Pašalić nach.
Karim Adeyemi trifft in der 75. zum 1:3, und in dem Moment haben wir es wieder – wir stehen wieder vorne, weil es über beide Spiele 3:3 steht und wir das Auswärtstor... ach nein, die Regel gibt es ja nicht mehr. Also: Es steht 3:3, und es geht in die Verlängerung, wenn nichts mehr passiert.
Es ist etwas passiert.
Nachspielzeit, Elfmeter für Atalanta, dazu drei Platzverweise in dem ganzen Durcheinander. Lazar Samardžić legt sich den Ball hin und macht mit dem letzten Schuss des Spiels das 4:1. 4:3 über beide Spiele. Aus.
/Der Ärger
Ich lasse das mit dem Elfmeter und den Karten hier bewusst weg, weil ich weder Schiedsrichter bin noch Lust habe, meinen Sonntag mit Standbildern zu verbringen. Es gab in diesem Stadion zwei Minuten, in denen alles gleichzeitig eskaliert ist, und am Ende war es eine Entscheidung, die gegen uns ausging.
Das passiert. Das ist mir schon oft genug zugunsten unserer Mannschaft passiert, und dann habe ich auch nicht über Gerechtigkeit geredet.
Was mich mehr wurmt, ist die Frage, wie man aus einem 2:0 ein 0:2 nach 45 Minuten macht.
/Der Punkt, den ich trotzdem machen will
Diese Mannschaft ist in dieser Saison in der Liga außergewöhnlich stabil. Sie kassiert wenig, sie gewinnt Spiele, die früher Unentschieden geworden wären, und sie spielt eine Rückrunde, die uns sehr weit nach oben bringen kann.
Und trotzdem hat sie gestern in einem einzigen Spiel gezeigt, woran sie noch arbeiten muss: Wenn ein Stadion wie das in Bergamo kippt, wenn der Gegner in den ersten zwanzig Minuten alles reinwirft, dann fehlt uns immer noch der eine, der das Tempo rausnimmt.
Emre Can hat gefehlt. Das ist keine Entschuldigung, aber es ist ein Fakt. Es gibt Abende, an denen ein Kapitän mit 400 Profispielen im Rücken mehr wert ist als jede taktische Anpassung.
Wir sind in einem Playoff ausgeschieden, nicht in einem Finale. Das ist der nüchterne Teil. Der andere Teil ist, dass diese Mannschaft in Europa noch nicht so weit ist, wie sie es in der Liga schon ist.
/Und jetzt?
Jetzt kommen zehn Wochen, in denen wir uns auf eine Sache konzentrieren können, und das ist in dieser Konstellation vielleicht sogar ein Geschenk.
Ich habe gestern Nacht um halb eins meinem besten Kumpel geschrieben: "Scheiße." Er hat geantwortet: "Samstag drei Punkte." Das ist ungefähr der ganze Trost, den man in so einer Situation braucht, und es ist auch der ganze Plan.
Kopf hoch, Jungs. Ihr habt in dieser Saison mehr richtig gemacht als in den drei davor.
Am Samstag um halb vier ist wieder alles offen.