Trainerwechsel
Danke, Nuri
Ein Abschied, über den ich nicht froh bin
Nach der 1:2-Niederlage in Bologna ist am Mittwochmorgen Schluss gewesen. Sieben Monate, vier Niederlagen am Stück, Tabellenplatz zehn. Ein Text über einen Trainer, den ich unbedingt behalten wollte – und warum ich die Entscheidung trotzdem nicht kritisiere.
Ich habe mir vorgenommen, hier nie jemandem hinterherzutreten, und ich halte mich dran. Aber ich habe mir auch vorgenommen, ehrlich zu sein. Also: Diese Trennung tut mir weh, und zwar mehr als jede andere in den letzten Jahren.
Nuri Sahin ist seit gestern nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund. Die Entscheidung ist in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gefallen, nach der 1:2-Niederlage in Bologna. Sebastian Kehl hat die Mannschaft informiert, Sahin hat sich von der Mannschaft verabschiedet.
Sieben Monate. Das ist alles.
/Das Spiel in Bologna
Guirassy macht per Elfmeter das 1:0, und wir stehen ordentlich. Und dann dreht Bologna das Ding innerhalb von einer Minute – Dallinga, Iling-Junior – und aus einer Führung wird eine Niederlage, während man noch dabei ist zu verstehen, was gerade passiert.
Das war die vierte Niederlage im vierten Pflichtspiel des Jahres 2025. In den letzten neun Spielen gab es einen Sieg. In der Bundesliga stehen wir auf Platz zehn.
Bei solchen Zahlen gibt es in diesem Geschäft keine zwei Meinungen mehr. Ich weiß das. Ich hätte es trotzdem gern anders gehabt.
/Warum ich ihn wollte
Nuri Sahin ist 2005 als Sechzehnjähriger der jüngste Bundesligaspieler aller Zeiten geworden, in einem BVB-Trikot. Er hat 2011 unter Klopp als Spieler des Jahres die Meisterschaft geholt. Er ist danach weggegangen, in Madrid und Liverpool nicht glücklich geworden, zurückgekommen, wieder weggegangen, und hat seine Karriere hier beendet.
Und dann ist er als Co-Trainer zurückgekommen und im Sommer nach Terzics Rücktritt Cheftrainer geworden.
Das war eine schöne Geschichte, und schöne Geschichten sind im Profifußball leider kein Argument. Ich weiß das. Aber ich habe sie trotzdem gewollt.
Es gibt Leute, bei denen wünscht man sich, dass die Tabelle sich irrt. Bei Nuri war das so.
/Was man ihm nicht vorwerfen kann
Man kann über taktische Entscheidungen reden, über Aufstellungen, über die Frage, ob er zu lange an Dingen festgehalten hat. Alles legitim.
Was man nicht wegdiskutieren kann, ist die Ausgangslage:
- Er hat eine Mannschaft übernommen, die vier Wochen vorher in einem Champions-League-Finale gestanden hatte und danach komplett durchgeschüttelt wurde.
- Der Abwehrchef Mats Hummels war weg, ohne Ersatz derselben Klasse.
- Sein Vorgänger Edin Terzic war unter Umständen gegangen, die in der Kabine nachgewirkt haben.
- Und es war seine erste Station als Cheftrainer eines europäischen Spitzenklubs. Überhaupt.
Das ist keine Entschuldigung, das ist Kontext. Unterm Strich steht bei ihm ein Torverhältnis von 55:44, was für eine Mannschaft in der Krise gar nicht so katastrophal klingt, wie die Stimmung war.
/Und trotzdem
Ich kritisiere die Vereinsführung hier nicht. Es gibt einen Punkt, an dem ein Trainer eine Mannschaft nicht mehr erreicht, und wenn du in neun Spielen einmal gewinnst, ist dieser Punkt überschritten. Dann geht es nicht mehr um Gerechtigkeit, sondern um Schadensbegrenzung.
Was mich stört, ist etwas anderes: der Ton drumherum. In den letzten Wochen ist über diesen Mann in einer Art geschrieben worden, als hätte er hier nie etwas geleistet. Über einen, der als Sechzehnjähriger für diesen Verein debütiert und als Erwachsener eine Meisterschaft gewonnen hat.
Das war unnötig, und es war respektlos.
/Wie es weitergeht
Es wird jetzt ein Nachfolger kommen, und diese Mannschaft muss in der Rückrunde eine Menge geradebiegen, wenn wir nächste Saison international spielen wollen. Sechs Punkte fehlen auf Platz vier. Machbar, aber es muss sofort etwas passieren.
Ich habe keine Meinung dazu, wer es machen soll. Ich habe nur eine Bitte an uns alle: Wer auch immer kommt, bekommt mehr als sieben Monate.
Und an Nuri: Du hast hier als Kind angefangen und als Trainer aufgehört. Dazwischen liegt eine Meisterschaft und ungefähr zwanzig Jahre, in denen du dieses Wappen getragen hast.
Das wiegt schwerer als neun Spiele.
Mach's gut. Bis irgendwann.