Champions League
Serhou Guirassy – Der Neuner, der gefehlt hat
Ein Dreierpack gegen Barcelona und ein Rekord, den vorher Haaland hielt
3:1 gegen Barcelona, drei Tore von Serhou Guirassy, und trotzdem raus. Über einen Stürmer, der für 18 Millionen kam und in seiner ersten Saison den Champions-League-Torrekord dieses Vereins gebrochen hat.
Es ist halb eins nachts, ich sitze noch in der Küche, und ich kriege dieses Grinsen nicht weg, obwohl wir ausgeschieden sind.
3:1 gegen Barcelona. Nach einem 0:4 im Hinspiel. Gegen die Mannschaft, die in diesem Jahr vorher noch kein Spiel verloren hatte. Am Ende 3:5 nach Hinspiel und Rückspiel, also raus, aber dieser Abend gehört uns.
Und er gehört vor allem einem: Serhou Guirassy.
/Elfmeter, Panenka, 11. Minute
Wer sich das nochmal anschaut, soll bitte auf die erste Szene achten. Elfmeter für uns, 0:4 im Rücken, ein Stadion, das verzweifelt hofft, und dieser Mann legt sich den Ball hin und lupft ihn in die Mitte. Panenka. In der elften Minute eines Viertelfinal-Rückspiels, das eigentlich verloren ist.
Das ist entweder größenwahnsinnig oder es ist genau die Sorte Selbstverständlichkeit, die wir seit Jahren gesucht haben.
Dann die 49. Minute. Dann die 76. Dreierpack. Erst der vierte Dortmunder überhaupt, dem in der Champions League ein Dreierpack gelingt – nach Lewandowski 2013, Aubameyang 2017 und Adeyemi im Oktober.
Und mit diesen Toren hat er einen Rekord übernommen, bei dem ich kurz zweimal hinschauen musste: Am Ende der Saison stehen 13 Treffer in diesem Wettbewerb. Kein BVB-Spieler hat je mehr in einer Champions-League-Saison geschossen. Nicht Haaland. Nicht Lewandowski. Beide standen bei zehn.
Wir reden hier über einen Stürmer, den wir im Sommer für rund 18 Millionen bekommen haben, weil eine Ausstiegsklausel im Stuttgarter Vertrag stand.
/Wie das überhaupt passieren konnte
Kurzer Rückblick, weil es sonst niemand mehr weiß: Der Transfer war im August 2024 kurz davor zu platzen. Beim Medizincheck gab es ein Thema am Knie, tagelang stand alles auf der Kippe, und in den Foren wurde bereits erklärt, warum man einen 28-Jährigen mit einer Knieakte sowieso nicht holt.
Die Vereine haben sich geeinigt. Vertrag bis 2028.
In Stuttgart hatte er in der Saison davor 30 Tore in 30 Spielen gemacht, was damals als Ausreißer galt. Ein Jahr, das man nicht wiederholt, hieß es.
Er hat es wiederholt.
/Was er anders macht
Ich habe in den letzten zehn Jahren einige Stürmer in diesem Trikot gesehen, und Guirassy ist der erste seit Langem, der das Spiel nicht nur abschließt, sondern strukturiert.
- Er hält Bälle fest, die man nicht festhalten kann. Das klingt unspektakulär, ist aber der Grund, warum unsere Mannschaft unter Druck überhaupt nach vorne kommt.
- Er zieht in fast jeder Aktion zwei Verteidiger auf sich und macht damit Räume für die Leute hinter ihm auf.
- Und er schießt mit beiden Füßen und mit dem Kopf. Es gibt keine Ecke des Strafraums, in der er ungefährlich ist.
Für einen Trainer, der auf eine kompakte Grundordnung setzt und im richtigen Moment umschalten will, ist so ein Mittelstürmer kein Luxus. Er ist die Bedingung.
/Und jetzt?
Die Champions League ist vorbei, und in der Liga haben wir noch richtig zu arbeiten, wenn wir nächstes Jahr wieder solche Abende erleben wollen.
Aber dieser April hat etwas gezeigt, das ich mir für die letzten Wochen der Saison merken werde: Diese Mannschaft kann, wenn sie will, Barcelona schlagen.
Nicht verwalten. Schlagen.
Und vorne steht einer, der sich beim Stand von 0:4 den Ball nimmt und ihn in die Mitte lupft.
Danke, Serhou. Das war einer für die Sammlung.