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34. Spieltag

Von elf auf vier

Wie aus einer verlorenen Saison noch eine Champions-League-Saison wurde

18. Mai 2025Saison 2024/253 MinutenDer Autor

Im Januar Elfter, im März nach dem 0:2 in Leipzig immer noch Elfter – und gestern gegen Kiel 3:0 und Platz vier. Eine Nachbetrachtung auf eine Saison, die zweimal komplett anders aussah.

Wenn man diese Saison in einem Satz erzählen müsste, würde niemand sie glauben.

Anfang Februar stand Borussia Dortmund auf Platz elf. Nicht in einer Zwischentabelle, sondern in der echten. Sechs Punkte hinter Platz vier, drei Pflichtspielniederlagen am Stück zum Jahreswechsel, ein Trainerwechsel, eine Mannschaft, die in jedem Spiel aussah, als würde sie sich selbst nicht über den Weg trauen.

Und gestern, 34. Spieltag, 3:0 gegen Holstein Kiel: Champions League.

/Das Spiel

Viel gibt es dazu gar nicht zu sagen, und das ist die gute Nachricht.

Guirassy verwandelt in der dritten Minute einen Elfmeter. In der neunten sieht Johansson bei Kiel Rot, und danach war es kein Fußballspiel mehr, sondern eine Aufgabe, die man einfach ordentlich zu Ende bringt. Sabitzer nach der Pause, Nmecha in der 73. 3:0. Fertig.

Vor einem Jahr hätten wir bei so einer Konstellation vermutlich noch zwei Gegentore kassiert und ein Zittern daraus gemacht. Gestern nicht. Das ist der Unterschied.

/Was zwischen Februar und Mai passiert ist

Niko Kovac hat diese Mannschaft Anfang Februar übernommen. Ohne Vorbereitung, mitten in der Saison, mit einem Kader, der sportlich und mental durch war.

Sein erstes Spiel war am 8. Februar gegen Stuttgart. Ich erinnere mich, dass die Debatte damals vor allem darum ging, ob man einen Trainer nimmt, dessen letzte Stationen nicht geglänzt haben. Es gab Leute, die haben die Verpflichtung als Notlösung bezeichnet.

Und dann hat dieser angebliche Notnagel etwas gemacht, was vorher keiner geschafft hat: Er hat aus einer Mannschaft, die ständig Gegentore bekam, eine gemacht, die Spiele langweilig gewinnen kann.

Der Gegentorschnitt ist über die Monate von rund 1,6 auf ungefähr 1,2 gefallen. Die Dreierkette steht. Die Schienenspieler wissen, wann sie schieben und wann nicht. Und vorne steht ein Stürmer, der in dieser Saison auch noch 13 Tore in der Champions League gemacht hat.

Selbst Mitte März, nach dem 0:2 in Leipzig, waren wir noch Elfter. Von da an bis zum letzten Spieltag hat diese Mannschaft die Tabelle hochgeklettert, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Es gibt Trainer, die etwas Neues aufbauen. Und es gibt Trainer, die einer Mannschaft beibringen, wieder normal zu atmen. Das Zweite ist schwerer.

/Was das wert ist

Ich habe in den Tagen danach mehrfach gelesen, dass Platz vier für den BVB kein Erfolg sei.

Das ist mir zu billig.

Natürlich ist Platz vier nicht das Ziel dieses Vereins. Aber bewertet wird nicht der Endstand, sondern die Strecke. Und die Strecke war: elfter Platz, Trainerwechsel, Champions-League-Viertelfinale nebenbei, und am Ende trotzdem der vierte Platz.

Wer das kleinredet, hat im Januar nicht zugehört, als dieselben Leute erklärt haben, dass diese Saison verloren ist.

/Die Szene, die ich behalte

Nach dem Abpfiff sind sie alle zur Süd gegangen, und was mir aufgefallen ist: Sie standen zusammen. Nicht in Grüppchen, nicht mit dem Handy in der Hand. Zusammen.

Im Januar sah diese Mannschaft nach dem Abpfiff aus wie eine Ansammlung von Einzelunternehmern.

Wenn das das Einzige wäre, was Kovac in vier Monaten geschafft hätte, wäre es schon viel. Es ist aber nicht das Einzige.

Nächste Saison also wieder Königsklasse. Und diesmal mit Vorbereitung.

SchlagworteKovac2024/25Holstein KielAufholjagd