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Karriereende

Mats Hummels hört auf

Der beste Innenverteidiger, den dieser Verein je hatte

14. Juni 2025Saison 2024/253 MinutenDer Autor

Nach einem Jahr bei der AS Rom ist Schluss. Über achtzehn Jahre Profifußball, fünf Meisterschaften, zwei verlorene Champions-League-Finals – und einen Spieler, der das Innenverteidigerspiel in Deutschland neu definiert hat.

Mats Hummels hat seine Karriere beendet. Ein Video auf Instagram, ein paar Sätze, das war's. Nach über achtzehn Jahren im Profifußball.

Sein letztes Spiel für die AS Rom hat er in der 90. Minute als Einwechselspieler bestritten. Danach ist er von seinen Mitspielern getragen worden. Das ist ein ziemlich anständiges Ende für jemanden, der in seinem letzten Jahr vor allem mit dem eigenen Rücken gekämpft hat.

/Der Spieler

Ich habe in meinem Fanleben viele gute Innenverteidiger in Schwarzgelb gesehen. Ich habe keinen gesehen, der das Spiel so gelesen hat wie Mats Hummels.

Das Wort "Spieleröffnung" hat in Deutschland vor ihm einen anderen Klang gehabt. Es gab Innenverteidiger, die den Ball nach vorne geschlagen haben, und es gab welche, die ihn quer geschoben haben. Hummels hat den Ball mit dem Außenrist durch drei Reihen gespielt, aus dem Stand, in einer Situation, in der alle anderen längst den langen Ball gedroschen hätten.

Und – das wird gerne vergessen – er konnte grätschen. Richtig grätschen. Die Vorstellung, er sei ein reiner Ästhet gewesen, stimmt einfach nicht. Er hat sich nur nie öfter reingeworfen als nötig, weil er meistens vorher da war, wo der Ball hinkam.

/Die Bilanz

Fünf deutsche Meisterschaften, drei davon in München, zwei mit uns. Dreimal DFB-Pokal. Weltmeister 2014.

Und zwei verlorene Champions-League-Finals, 2013 und 2024, beide in Wembley, beide mit Borussia Dortmund. Der Titel, den er am meisten wollte, ist der einzige, der fehlt.

Über ein Jahrzehnt hat er hier gespielt, in zwei Abschnitten, unterbrochen von den Münchner Jahren. Es gibt Leute in dieser Stadt, die ihm den Wechsel 2016 bis heute nachtragen. Ich gehöre nicht dazu, und zwar spätestens seit der Saison 2023/24 nicht mehr.

/Diese letzte BVB-Saison

Das ist der Teil, über den ich eigentlich schreiben will.

Mats Hummels war in der Saison 2023/24 fünfunddreißig Jahre alt. Er war der älteste Feldspieler unseres Kaders und hatte in der Bundesliga Spiele, in denen er aussah, als könne er nicht mehr mithalten.

Und dann kam die Champions League, und er war plötzlich der beste Innenverteidiger dieses Wettbewerbs.

Gegen Atlético Madrid im Viertelfinale, gegen PSG im Halbfinale, wo er das entscheidende Tor gemacht hat – dieser Mann hat mit 35 Jahren in den größten Spielen Europas so verteidigt, als hätte er die Spielzüge vorher auf Papier bekommen. Nichts davon war Tempo. Alles davon war Kopf.

Ich habe damals in jedem dieser Spiele irgendwann laut gesagt: Der weiß einfach vorher, wo der Ball hinkommt.

Es gibt Spieler, die man in Statistiken misst. Und es gibt welche, bei denen man die Zweikämpfe zählen muss, die gar nicht erst entstanden sind.

/Das Ende hier

Sein Vertrag ist im Sommer 2024 ausgelaufen, es gab keinen neuen, und er ist nach Rom gegangen. Ich habe das damals mit einem sehr gemischten Gefühl mitbekommen. Sportlich war es nachvollziehbar, menschlich war es bitter.

Dass er jetzt aufhört, hat er selbst mit seiner körperlichen Verfassung begründet, vor allem mit Rückenproblemen. Angebote aus der Türkei oder aus Saudi-Arabien kamen für ihn nicht in Frage – ihn haben immer Projekte interessiert, nicht Abschiedsgehälter.

Auch das passt zu ihm. Hummels war nie jemand, der etwas gemacht hat, nur weil man es machen kann.

/Was bleibt

Eine ganze Generation deutscher Innenverteidiger hat sich an ihm orientiert, ob sie es zugibt oder nicht. Wer heute einen Sechzehnjährigen in einem Nachwuchsleistungszentrum sieht, der den Ball mit dem Außenrist in den Halbraum spielt, sieht ein Hummels-Zitat.

Und für mich persönlich bleibt ein Abend im Mai 2024 in Paris, an dem ein Fünfunddreißigjähriger eine Mannschaft, die dreimal so teuer war wie unsere, aus dem Wettbewerb verteidigt hat.

Danke, Mats. Für all die Jahre, für Paris und für die Erkenntnis, dass man Fußball auch mit dem Kopf spielen kann.

Alles Gute für das, was jetzt kommt.

SchlagworteMats HummelsKarriereendeAbwehrAS Rom