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Sommer 2024

Ein Sommer der Abschiede

Terzic geht, Hummels geht, Sahin kommt

02. Juli 2024Saison 2024/253 MinutenDer Autor

Vier Wochen nach Wembley ist dieser Verein ein anderer. Der Trainer ist weg, der Abwehrchef ist weg, und auf der Bank sitzt ein Mann, der hier vor 15 Jahren als Spieler Meister wurde. Ein Text über Abschiede, die weh tun, auch wenn man sie versteht.

Ich hätte nach dem Finale gern ein paar ruhige Wochen gehabt. Ein bisschen Nachglühen, ein bisschen Vorfreude auf die neue Saison, mehr nicht.

Stattdessen: Edin Terzic tritt zurück. Mats Hummels bekommt keinen neuen Vertrag. Nuri Sahin übernimmt.

Das ist viel für einen Juni.

/Terzic

Ich mochte ihn. Ich mochte ihn sehr, und ich glaube, das geht hier fast allen so, egal was man von einzelnen Entscheidungen hielt.

Edin Terzic ist als Jugendlicher auf der Südtribüne gestanden. Er hat sich vom Videoanalysten hochgearbeitet, war 16 Jahre in diesem Klub, hat 2021 als Interimstrainer den DFB-Pokal geholt und 2023 diese Mannschaft bis auf 90 Minuten an die Meisterschaft herangebracht. Und ein Jahr später ins Champions-League-Finale.

Und dann tritt er zurück, vier Wochen nachdem er in Wembley an der Seitenlinie stand.

Vorher gab es öffentlich ausgetragene Reibereien, unter anderem im Umfeld eines Hummels-Interviews kurz vor dem Endspiel, und intern offenbar Diskussionen darüber, wie es weitergeht. Ich kenne die Details nicht und ich will sie ehrlich gesagt auch nicht kennen. Was ich weiß, ist, wie es aussieht, wenn jemand sich entscheidet, dass er einem Verein mehr nützt, wenn er geht.

Terzic hat in seiner letzten Saison mehr erreicht als jeder BVB-Trainer seit Klopp. Und er verlässt den Laden, ohne dass ein einziges böses Wort von ihm kam.

Man muss keinen Trainer verehren. Aber man sollte wissen, wann einer Haltung hat.

/Hummels

Und dann Mats.

Ich schreibe das als jemand, der ihn zweimal verabschiedet hat. Einmal 2016 nach München, einmal jetzt. Beim ersten Mal war ich wütend. Diesmal bin ich einfach nur ein bisschen wehmütig.

Denn schauen wir uns an, was der Mann in seiner letzten Saison gemacht hat: Mit 35 Jahren war er der beste Innenverteidiger der Champions League. Er hat gegen Atlético und gegen Paris Spiele gelesen, als hätte er das Drehbuch vorher bekommen. Und das entscheidende Tor im Halbfinale gegen PSG – Hummels. Natürlich Hummels.

Sein Vertrag läuft am 30. Juni aus, und es gibt keinen neuen. Das ist eine sportliche Entscheidung, die man mit Zahlen begründen kann, und ich verstehe die Zahlen.

Trotzdem: Hier geht der letzte Spieler, der 2011 und 2012 dabei war. Der letzte, der weiß, wie sich das anfühlt.

/Sahin

Und jetzt sitzt da Nuri Sahin, der im Januar als Co-Trainer dazugekommen war und der 2011 als Spieler die Meisterschale in die Luft gehalten hat. An seiner Seite Sven Bender.

Zwei Männer, die diesen Verein in- und auswendig kennen, und ein Kader, dem gerade sein Abwehrchef und sein Trainer abhandengekommen sind.

Ich habe da eine sehr einfache Haltung: Ich wünsche ihm alles Gute und ich werde ihm Zeit geben. Nicht, weil es taktisch klug ist, sondern weil ich seit dreißig Jahren erlebe, dass man in Dortmund mit Geduld weiter kommt als mit Ungeduld.

/Was ich gelernt habe

Es gibt diesen Satz, dass im Fußball keiner unersetzlich ist. Ich habe ihn immer für zynisch gehalten.

Inzwischen glaube ich, dass er nur falsch formuliert ist. Richtig wäre: Jeder ist ersetzbar, aber nicht gleichwertig. Es kommt jemand Neues, und der macht seine Sache vielleicht sogar besser. Aber die konkrete Person, mit der du eine bestimmte Nacht in Paris erlebt hast, kommt nicht wieder.

Und genau das ist ja der Grund, warum wir das hier machen.

Danke, Edin. Danke, Mats. Viel Glück, Nuri.

Am 24. August geht es wieder los.

SchlagworteEdin TerzicMats HummelsNuri Sahin2024/25